Feuer brennt am Straßenrand auf dem Peloponnes.

Feuer auf dem Peloponnes

Das Wetter auf dem Peloponnes ist in den Sommermonaten heiß und praktisch niederschlagsfrei. Daraus resultiert eine stetig lauernde Brandgefahr – kleine Funken reichen aus, um verheerende Feuer auszulösen, die ganze Landstriche verwüsten und die kultivierende Landarbeit von Generationen innerhalb weniger Tage zunichte machen.

Verwunderlich ist der gleichzeitig sorglose Umgang der Griechen mit offenem Feuer. Nicht selten sieht man brennende Zigarettenstummel, die gedankenlos  aus fahrenden Autos geworfen werden. Abendliche Lagerfeuer werden mitunter direkt unter ausgetrockneten und nach Wasser lechzenden Bäumen entzündet.

Ein Helikopter im Löscheinsatz gegen das Feuer auf dem Peloponnes.

Ein Helikopter im Löscheinsatz gegen das Feuer auf dem Peloponnes.

Bei den außerordentlichen schweren Bränden auf dem Peloponnes im Jahre 2007, die durch Temperaturen um 40°C und Wind in schwerer Sturmstärke begünstigt wurden, wurde schnell eine andere als fahrlässige Brandursache vermutet: Die ansässigen Grundbesitzer hätten Waldgebiete angezündet, um die geschützten, naturbelassenen Regionen spekulativ in Bauland zu verwandeln. Tatsächlich stehen die verblieben Waldregionen des Peloponnes heute unter strengem Schutz, die Umwandlung in Bauland und die damit einhergehende Rodung der Flächen ist per offiziellem Behördenwege nahezu unmöglich durchzusetzen. Ausnahme bilden Großprojekte mit touristischem Hintergrund wie beispielsweise das Luxusressort nahe Pirgos, wobei in solchen Fällen nach europäischem Recht Ausgleichsflächen zu schaffen sind – ein Kostenfaktor. Für unbewaldete Flächen ist eine Baugenehmigung wesentlich einfacher zu erhalten, der Wert des Bodens ist somit nach dem Feuer unmittelbar erhöht. Das Risiko der Brandstifter hingegen ist relativ gering, da das sich ausbreitende Feuer jede potenzielle Spur der Tat vernichtet.

Andere mögliche Brandursachen gerieten 2007 nicht in den Fokus der Spekulationen, obwohl sie auf dem Peloponnes zweifelsohne vorhanden sind. Dazu zählen illegale Müllkippen in abgelegenen Tälern, die regelmäßig angezündet werden. Solche wilden Müllkippen waren vor einigen Jahren noch Gang und Gäbe, mittlerweile wurde ihr Vorkommen durch saftige Geldstrafen stark eingedämmt. Eine andere Brandursache sind häufig marode und semiprofessionell angelegte Überlandleitungen, von denen durch Funkenflug oder herabfallende Kabel eine Brandgefahr ausgeht. Brände wurden sogar schon durch überhitzte Katalysatoren von Autos ausgelöst, die nach der Fahrt auf trockenem Boden abgestellt wurden.


Unabhängig von der Brandursache ist ein um sich greifendes Feuer auf dem Peloponnes für die ansässigen Menschen eine Katastrophe. Auf dem extrem trockenen Land breitet sich Feuer extrem schnell aus, überspringt zum Teil sogar breiteste Feuerschneisen wie mehrspurige Schnellstraßen. Das macht die Löscharbeiten gefährlich und ohne schweres technisches Gerät wie Löschflugzeuge und -helikopter nahezu unmöglich. 2007 wurden entsprechende Hilfeleistungen von diversen Ländern bereitgestellt, darunter Deutschland, Frankreich, Spanien und Österreich. Dennoch dauerte es Wochen, die massiven Brände unter Kontrolle zu bekommen. Die Folgen in den ländlichen Gebieten des Peloponnes sind fatal, denn viele Menschen leben von der Landwirtschaft, besonders dem Anbau von Oliven oder Zitrusfrüchten sowie der Viehzucht. Entsprechend sorgenvoll bis verzweifelt sind die Mienen der Menschen, wenn sie sich vor dem Feuer in höher gelegenen Gebieten in Sicherheit bringen und von hier untätig zuschauen müssen, wie ihre Heimat verbrennt. Bäume und Tiere sind die ersten Opfer der Feuersbrunst, die Eigentümer verlieren somit ihre Existenzgrundlage. Regelmäßig kosten die Brände auch Menschenleben, wenn die Menschen von den Flammen eingeschlossen werden oder ihre Häuser und Grundstücke bis zum letzten Moment mit Wasserschläuchen zu verteidigen suchen.

Sollten Sie in ein Gebiet hineingeraten, in dem ein Feuer ausgebrochen ist, so suchen Sie sich einen Stellplatz Abseits der Straße, um die Löscharbeiten nicht zu behindern und Löschfahrzeugen den ungehinderten Zugang zum Brandherd zu ermöglichen. Touristen, die eine solche Feuersbrunst als aufregendes Reiseerlebnis sehen, begeistert Fotos knipsen und sogar auf der Straße anhalten, um einen besseren Ausblick zu erhaschen, ziehen zurecht den Zorn der einheimischen Bevölkerung auf sich.

2007 wäre gar das antike Olympia beinahe ein Opfer der Flammen geworden – erst im letzten Moment konnte ein massives Aufgebot an Rettungskräften die Katastrophe abwenden, als die Flammen bereits am olympischen Museum züngelten. Die Folgen des Feuers sind in der Umgebung Olympia’s bis heute sichtbar. Der karge, steinige Boden verhindert eine rasche Erholung der Vegetation, die Wiederaufforstung ist ein Jahrzehnte dauerndes Unterfangen.

Sollten Sie also des Sommers auf dem Peloponnes unterwegs sein: Achten Sie peinlich genau darauf, nicht leichtsinnig mit Feuer und Glut umzugehen – und sollten Sie noch so Feuer und Flamme auf Ihren Urlaub sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.